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Teppichreiniger


Die Reinigung von Teppichböden erfolgte gemäß dem Standard RAL 991 A2, Erstellungsjahr 1974, der sowohl ein einheitliches Vorgehen als auch die Besonderheiten der einzelnen Belagsarten beschrieb. Die RAL-Vereinbarung wurde mit der Ausgabe RAL 991 A3, Ausgabe Januar 2005, den zwischenzeitlich hinzu gekommenen und modifizierten Reinigungs- und Installationsverfahren textiler Bodenbeläge angepasst.

Vorgehensmodell nach RAL 991 A2

Prüfen der Belagsart
Prüfen der Befestigungsart
Saugen mit einem Bürstenstaubsauger

Grundreinigung mit passendem Verfahren
erneutes Saugen mit einem Bürstenstaubsauger
Detachur, das heißt Entfernen von noch bestehenden hartnäckigen Flecken mit einem geeigneten Mittel (Fleckentfernung)
ggf. Nachdetachur.

Die Auswahl des Reinigungsverfahrens, die über die reine Unterhaltsreinigung hinausgeht, erfolgt gem. RAL 991 A3 nach der Belagskonstruktion, nach Art und Zustand der Verlegung, nach dem Verschmutzungsgrad und objektbezogenen Bedürfnissen. Diese Reinigung wird nur noch mit „Intensivreinigung“ oder „Weitergehende Reinigung“ benannt.

Kategorien von Bodenbelägen

Für die Ermittlung des optimalen Reinigungsverfahrens wurden nach RAL 991 A2 die Materialien der Teppichböden in vier Kategorien eingeteilt:

Schlingen aus Garn
Velours
Nadelfilz und Kugelgarn
Naturfasern (z.B. Sisal, Kokos)

Jede dieser Teppichbodenarten erfordert eine andere Reinigungsmethode.

Die Verfahren

Für die Grundreinigung der verschiedenen Belagsarten entstanden im Laufe der Zeit mehrere, zum Teil sehr unterschiedliche Verfahren. Hier zunächst eine Übersicht:

Teppichbodenart Schlinge Velours Nadelfilz/Kugelgarn Sisal /Kokos
Shampoonierung + + - -
Sprühextraktion + + - -
Pulverreinigung + +++ - -
Rotowash +++ + - -
Allroundcleaner +++ + - -
Trockenschaumverfahren nach von Schrader + - +++ -

Bedeutung: +++ = gut geeignet, ++ = geeignet, + = mäßig geeignet, - = ungeeignet

Shampoonierverfahren

Beim Shampoonierverfahren wird eine Tensidlösung auf den Teppich aufgetragen und unter starker Schaumentwicklung gleichmäßig auf dem Teppichboden verteilt. Die dazu verwendeten Einscheibenmaschinen oder Mehrscheibenmaschinen haben auf der Unterseite einen horizontal drehenden Teller mit Kunststoff- oder Naturfaserborsten.

Eine Variante dieses Verfahrens ist das Pad-Verfahren. Auf dem sogenannten Pad-Halter der Maschine, ebenfalls eine horizontal drehende Scheibe, wird ein Pad, ein Belag aus Textilfaser, montiert. Damit wird gleichzeitig das Reinigungsmittel eingearbeitet und der gelöste Schmutz festgehalten. Das Pad wird nach einer gewissen Schmutzaufnahme durch ein frisches ersetzt, um eine gleichmäßige Reinigung zu erreichen.

Bei beiden Varianten sollte restlicher Schmutz und Reiniger nachher ausgespült werden. Dies erfolgt normalerweise mit dem Sprühextraktionsverfahren.

Bewertung

Bei beiden Varianten kann es dazu kommen, dass neuer Schmutz durch das Verbleiben von Reinigungsmitteln im Teppich gebunden und somit durch die regelmäßige Unterhaltsreinigung nicht mehr entfernt wird. Dies ist als schnelle Neuverschmutzung bekannt und führt zu klebrigen, flächigen Verschmutzungen. Diesem Verhalten kann durch die Verwendung spezieller Reiniger, die beim Trocknen auskristallisieren und abgesaugt werden können, entgegengewirkt werden. Ebenfalls reduziert eine im Anschluss durchgeführte Sprühextraktion mit klarem Wasser dieses Problem, es muss jedoch eine lange Trocknungszeit in Kauf genommen werden.

Ein weiterer Nachteil speziell des Garnpad-Verfahrens ist die Tatsache, dass mit horizontal drehenden Maschinen nur relativ oberflächlicher Schmutz entfernt werden kann. Das Reinigungsmittel wird auf dem Teppich verteilt und löst den oberen Schmutz, kommt aber kaum in die Tiefe der Fasern, wo der Schmutz liegt, der durch die Unterhaltsreinigung, also das tägliche Absaugen, nicht entfernt werden kann. Bei dem Shampoonierverfahren mit einer Bürste tritt dieses Problem nicht auf, da die Bürste tiefer in das Material vordringt.

Sprühextraktionsverfahren

Das Sprühextraktionsverfahren ist eine aus diesem hervorgegangene Sonderform des Shampoonierverfahrens. Das Aufsprühen und Absaugen der Reinigungsmittellösung erfolgt unmittelbar nacheinander mit demselben Gerät. Die Geräte besitzen dazu eine in Arbeitsrichtung vorn liegende Düse, mit deren Hilfe die Tensidlösung unter Druck in das Teppichmaterial eingesprüht wird, und dahinter eine Absaugdüse, mit der die gerade in den Boden eingebrachte Flüssigkeit wieder abgesaugt und in den Schmutzwassertank des Geräts überführt wird. Die Restfeuchtigkeit beträgt ca. 12-15 %, die nachfolgende Trocknungszeit liegt zwischen 10 und 18 Stunden.

Bewertung

Dieses Verfahren bietet eine sehr gute Reinigungsleistung auch wenn die Verschmutzung sehr stark ist. Es werden jedoch vergleichsweise große Mengen Flüssigkeit in den Teppich eingebracht, so dass eine Trocknungszeit, in der der Boden nicht betreten werden darf, zwischen 10 und 18 Stunden in Kauf genommen werden muss. Ebenso vertragen nicht alle Belagsarten und Kleber die großen Wassermengen, so dass der Teppich sich lösen oder verziehen kann. Auch hier besteht die Gefahr schneller Neuverschmutzung, wenn zu viel Reiniger im Teppich verbleibt.

Trockenextraktion

Bei der Trockenextraktion, die auch als Pulverreinigung, Trockensaug- oder Granulatreinigungsverfahren (RAL 991 A3 und prEN ISO 21868) bezeichnet wird, werden je nach Anbieter unterschiedliche Materialien (Schrot, Granulat) eingesetzt, die mit einer Bürstmaschine mit zwei vertikalen Bürsten in den Teppichboden eingearbeitet werden. Das Material ist mit Reinigungsmittel beladen. Im Boden wird das Reinigungsmittel abgegeben, der Schmutz so gelöst und anschließend an das feste Reinigungsgranulat mittels Adsorption gebunden. Danach wird dieses Granulat/Schrot mit einem handelsüblichen Bürstsauger abgesaugt. Es gibt auch Maschinen, die gleichzeitig als Bürstsauger verwendet werden können.

Bewertung

Der große Vorteil der trockenen Verfahren ist, dass der Teppichboden sofort nach der Reinigung wieder betreten werden kann. Ebenso bieten trockene Verfahren die beste Restaurationswirkung, d. h. ein regelmäßig so grundgereinigter Boden bleibt über viele Jahre bis Jahrzehnte in einem neuwertigen Zustand.

Nachteilig wirkt sich jedoch die geringe Dosierung des Reinigungsmittels aus, denn starke Verschmutzungen sind nicht in einem Arbeitsgang zu entfernen. Der Zeitaufwand ist also höher, als bei anderen Verfahren. Ebenso muss bei stärkerer Verschmutzung mit einem Drucksprüher vorbehandelt werden. Bei sehr starker Verschmutzung ist auch eine Vorreinigung mit dem Rotowash-Verfahren notwendig. Die Verwendung eines Nassverfahrens als Vorreinigung ist nicht sinnvoll. Nachteilig sind auch die hohen Kosten des Reinigungsmaterials, die gegenüber allen wasserbasierten Verfahren erheblich höher sind, und auch die Tatsache, dass immer zwei Arbeitsgänge nötig sind (Reinigen und Absaugen). Weiterhin kann es gerade bei langflorigem Velours passieren, dass das eingebrachte Trägermaterial, wenn es Zellulose ist, nur schwer wieder entfernt werden kann.

Allerdings sind auch bei den herkömmlichen Verfahren immer zwei Arbeitsgänge nötig: Shampoonieren und Sprühextrahieren, was zwei völlig verschiedene Maschinen bedingt. Zumindest beim Verfahren des US-amerikanischen Anbieters Racine Industries, das mit Mais-Granulat arbeitet, gibt es Maschinen, die in einem Arbeitsgang sowohl reinigen wie absaugen.

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Autor / Verantwortlich:  Andreas Fillinger